Getragen von der Idee der Parität, d. h. der Gleichheit aller in ihrem Ansehen und ihren Möglichkeiten, getragen von den Prinzipien der Offenheit, Vielfalt und Toleranz will der Paritätische Mittler sein zwischen Generationen und zwischen Weltanschauungen…
Der Paritätische ist der Idee sozialer Gerechtigkeit verpflichtet, verstanden als das Recht eines jeden Menschen auf gleiche Chancen zur Verwirklichung seines Lebens in Würde und der Entfaltung seiner Persönlichkeit.
Der Paritätische fördert das soziale Engagement für den anderen und den Einsatz für die eigenen sozialen Belange. Er hilft den Betroffenen, ihre Interessen zu formulieren, vorzutragen und durchzusetzen.
Der Paritätische vertritt mit seinen Mitgliedsorganisationen insbesondere die Belange der sozial Benachteiligten und der von Ungleichheit und Ausgrenzung Betroffenen oder Bedrohten.
Der Paritätische wirkt auf eine Sozial- und Gesellschaftspolitik hin, die die Ursachen von Benachteiligung beseitigen, ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen und sachgerechte Rahmenbedingungen für eine zeitgemäße soziale Arbeit schaffen.
Aus: Grundsätze der Verbandspolitik des Paritätischen, 27. Oktober 1989
Soziales Engagement und soziale Arbeit brauchen Unterstützung und Interessenvertretung. In seiner sozialanwaltlichen Funktion vertritt der Paritätische mit seinen Mitgliedsorganisationen insbesondere die Belange benachteiligter Menschen und fördert die Solidarität und das soziale Engagement für den anderen.
Der Paritätische will Freiräume für soziale Dienste schaffen und wendet sich gegen eine unnötige Bürokratisierung der sozialen Arbeit. Er steht für politische Maßnahmen, die auf die Förderung der Selbstbestimmung und die Herstellung von Rahmenbedingungen gerichtet sind, die den Ursachen von Benachteiligung entgegenwirken.
Der Paritätische wirkt sozialanwaltschaftlich und artikuliert die Interessen von unterstützungsbedürftigen Menschen. Er trägt gleichzeitig aktiv zum Auf- und Ausbau einer leistungsfähigen sozialen Infrastruktur bei. Mit seinen Mitgliedsorganisationen leistet er einen erheblichen Beitrag zur Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit gesundheitlichen, pflegerischen, erzieherischen und anderen Leistungen und bezieht die Bürger selbst in diesen Prozess ein.
Der Paritätische versteht sich als Interessenvertreter und Dienstleister für alle, die Autonomie und Teilhabe stärken wollen. Die professionelle Erbringung von Leistungen unter Einbeziehung freiwillig Engagierter steht in keinem Widerspruch zu der Vertretung der Interessen unterstützungsbedürftiger Menschen. Im Gegenteil: Die Erfahrungen der Selbsthilfebewegung belegen, dass die Entwicklung von bedarfsgerechten Leistungsangeboten besonders erfolgreich ist, wenn sie von Betroffenen und freiwillig Engagierten mitgestaltet oder mitbetrieben werden.
Die wirtschaftliche, soziale und politische Gestaltung des europäischen Einigungsprozesses gehört zu den Herausforderungen der Gegenwart. Der Paritätische begrüßt und unterstützt die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes über die Grenzen hinweg. Europa als gemeinsamer Raum von Freiheit und Solidarität, von Sicherheit und Teilhabe ist eine Vision, zu deren Verwirklichung der Paritätische beitragen will.
Artikel 20 des Grundgesetzes enthält das positive Bekenntnis zu Demokratie, Sozial- und Rechtsstaatlichkeit. Dieser Anspruch ist voraussetzungsvoll. Es beschreibt keinen Zustand, sondern ein Ziel, dem es sich anzunähern gilt. In vielen Bereichen kann davon derzeit keine Rede sein. Wir erleben heute eine Entwicklung, die in zu vielen Fällen nicht in Richtung mehr sozialer Gerechtigkeit, persönlicher Freiheit und individueller Teilhabe geht, sondern sich davon entfernt. Die Gleichstellung der Geschlechter, die Förderung einer kindergerechten Umwelt, die Herstellung der Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen, die Förderung der Selbstbestimmung und die Schaffung von Integrationsangeboten für Menschen mit Migrationshintergrund sind nur einige Bereiche, in denen der bestehende Handlungsbedarf offenkundig ist.
Chancengleichheit und Verteilungsgerechtigkeit, Teilhabe und Selbstgestaltung, Verantwortung und Solidarität, Engagement und Zivilgesellschaft – dies alles sind zentrale Prinzipien, die den Zusammenhalt unserer Gesellschaft begründen. Alle diese Prinzipien sind für sich genommen genauso unbestritten wie in der politischen Praxis uneingelöst. Der Paritätische als Interessenvertreter, Dienstleister und Anwalt der von Armut und Ausgrenzung betroffenen und bedrohten Menschen kann und will sich damit nicht abfinden.
Die nachfolgenden Seiten enthalten keinen Forderungskatalog. Es geht vielmehr darum, auf die Kluft zwischen sozialstaatlichem Anspruch und gesellschaftlicher Wirklichkeit hinzuweisen und Fragen aufzuwerfen. Fragen, wie diese Kluft geschlossen werden kann und welche Alternativen und Möglichkeiten dazu am besten geeignet sind. Nicht zuletzt geht es darum, anhand konkreter Beispiele aus der praktischen Arbeit vor Ort zu zeigen, dass eine bessere Gestaltung des Gemeinwesens möglich ist, wenn der Wille zur Veränderung besteht.
Das Papier versteht sich als Einladung, Aufforderung und Beitrag zur Diskussion. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der besorgniserregenden Abnahme der politischen Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.
Die Beteiligung an den Bundestagswahlen ist seit 1998 rückgängig. Fast jeder vierte Wahlberechtigte blieb 2005 zu Hause. Das vorliegende Dokument soll deshalb Anregungen geben, sich zu engagieren.
Es liegt an uns, Anstöße zu geben und Fragen aufzuwerfen. Wir können und müssen Wahlen verändern – denn Wahlen verändern.